Einheimische Wildtiere - Praxis für Wildtiere und Exoten

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Einheimische Wildtiere

Verletzte oder verwaiste Wildtiere: ob nun der Herbstigel oder der „aus dem Nest gefallene“ Singvogel, vielen Tieren kann durch eine fachgerechte Behandlung zu einer zweiten Chance verholfen werden. Trotz bester Absichten kommen viele dieser Patienten durch die Unkenntnis ihres Pflegers ums Leben. Erkundigen sie sich gründlich über die Bedürfnisse Ihres Pfleglings. Wenn es sich um anspruchsvollere Patienten wie Greifvögel, Schwäne, Fledermäuse oder junge Marder handelt, sollten Sie diese möglichst an Experten abgeben.

Eine Aneignung von Wildtieren ist nur unter ganz bestimmten  Bedingungen erlaubt.

1. Das Tier muß hilfsbedürftig sein!

  • Rehkitze und Jungvögel im Ästlingsstadium werden von ihren Eltern versorgt und brauchen unsere Hilfe meist nicht.

         
2. Das Tier darf nur vorübergehend der Natur entnommen werden!

  • Igel dürfen nicht als „Haustiere“ gehalten werden.

  • In der Natur nicht-überlebensfähige Wildtiere sollten i.d.R. eingeschläfert werden.

         
3.  Bestimmte Tiere müssen gemeldet werden!
    
    
Wildtier-Findlinge und das Recht


Bei der Versorgung versorgungsbedürftiger Findlinge sind verschiedene Gesetze zu beachten. Besondere Beachtung finden hierbei das Jagdrecht, das Tierschutzrecht und verschiedene artenschutzrechtliche Bestimmungen. Die verbreitete Rechtsunsicherheit auf diesem Gebiet veranlasst den Finder sich Hilfe suchend an seine Tierarztpraxis zu wenden. Bei Vergehen gegen die oben genannten Gesetze handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten aber auch um Straftaten, die mit hohen Geldbußen und auch Gefängnis geahndet werden können. Eine kompetente Beratung kommt somit sowohl dem Findling als auch dem Finder zu gute.

Grundsatz: Alle Wildtiere sind grundsätzlich geschützt – eine Aneignung grundsätzlich verboten !

Ausnahme: Abweichend vom generellen Besitzverbot ist es zulässig verletzte oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen.  (§ 43 Abs 6 BNatSchG und § 22a BJG)
Zum Jagdgesetz:  Das Gesetz manifestiert längst nicht nur den Besitzanspruch des Jagdausübungsberechtigten an den von ihm erlegten Tieren, es dient u.a. auch dem Schutz der Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen –  dem sogenannten „Wild“. Nach § 960 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) sind alle wilden Tiere herrenlos, solange sie sich in Freiheit befinden. Der Jagdpächter hat aber unter festgelegten Bedingungen (z.B. Einhalten von Schonzeiten, waidgerechte Jagdmethoden) das alleinige Recht der Inbesitznahme von „Wild“. Das Bundesjagdgesetz (BJG) beinhaltet eine Liste mit allen Tierarten, die unter dieses Recht fallen. Die jeweiligen Landesjagdgesetze (LJG) können leicht vom Bundesjagdgesetz abweichen, sollten also ebenfalls beachtet werden. Diese „Wild-Liste“ beinhaltet seltsamerweise auch Tierarten, auf die nur selten oder nie Jagd gemacht wird. Zum Beispiel gelten die meisten einheimischen Taggreifvögel als „Wild“, obwohl diese ganzjährig geschont werden und somit deren Abschuss nicht erlaubt ist. Die Naturentnahme von „Wild“ und/oder ihrer Körperteile (Federn, Eier, Abwurfstangen) ohne Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten erfüllt den Tatbestand der Wilderei, ist also eine Straftat. Die Aneignung eines Findlings einer „Wild“-Art ist nur im Ausnahmefall gestattet und muss entweder dem Jagdpächter oder der Unteren Jagdbehörde gemeldet werden.
Zu den Artenschutzgesetzen: Auf internationaler und nationaler Ebene sind Vereinbarungen zum Schutz der wildlebenden Tiere und ihrer Lebensräume entstanden. Das Fundament des Artenschutzes bildet das Washingtoner Artenschutzabkommen (WA, auch CITES – Convention of international trade in endangered species of wild fauna and flora - genannt). Es stellt eigentlich ein internationales Handelsabkommen dar, regelt aber durch die Beschränkung der Ein- und Ausfuhr von Tierarten indirekt auch ihre Entnahme aus der Natur.

Nach ihrem Gefährdungsgrad werden die Arten in die Kategorien I-III (I = strengster Schutz) eingeteilt. Die Europäische Union setzt die WA- Anforderungen in der EG-Verordnung 338/97 um. Hier werden die Tiere in die Gefährdungsgrade A-D eingestuft (A = strengster Schutz). Letztlich wird die EG- VO 338/97 dann in nationales Recht umgesetzt. In Deutschland wird dies in erster Linie durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und durch die Bundesartenschutzverordnung (BartSchVo) geregelt. Erwähnenswert ist, dass der WA-Schutzstatus eine Mindestanforderung darstellt. Sowohl die EU als auch die Mitgliedsstaaten haben die Möglichkeit, den Schutzstatus für bestimmte Tierarten zu erhöhen. Wildlebende Tierarten haben bei uns drei verschiedene Schutzgrade: Streng geschützt (vom Aussterben bedroht), besonders geschützt und Arten ohne besonderen Schutz.
Findlinge streng geschützter Arten müssen bei der Oberen Naturschutzbehörde gemeldet werden. Hierzu gehören beispielsweise alle Fledermäuse, Spechte und Eulen. Die vorübergehende Aufnahme hilfsbedürftiger Tiere, die unter besonderem Schutz stehen, ist nicht meldepflichtig. Hierzu gehören zum Beispiel Igel und Eichhörnchen, aber auch alle einheimischen Singvögel. Arten ohne besonderen Schutz, wie z.B. Mäuse oder verwilderte Haustiere sind aber noch lange nicht „vogelfrei“. Sie genießen - vom Tierschutzgesetz abgesehen - immer noch den allgemeinen Schutz des Naturschutzgesetzes, welches z.B. eine Naturentnahme oder eine Tötung ohne vernünftigen Grund nicht erlaubt.
Zum Tierschutzgesetz: Dieses Gesetz dient - im Gegensatz zu den Artenschutzgesetzen - dem Schutz des Individuums. Es ist verboten einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Neben diesem allgemeinen Grundsatz regelt das Tierschutzgesetz u.a. auch die Unterbringung und Versorgung des Tieres, welche art- und verhaltensgerecht sein muß. Vom Pflegenden selbst werden die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verlangt, um diese Versorgung zu gewährleisten. Letztlich ist auch die Wiederauswilderung tierschutzrelevant. Auf der einen Seite verlangt sowohl das Jagd- als auch das Naturschutzgesetz eine unverzügliche Wiederfreilassung des Findlings, auf der anderen Seite ist es aber nach §3 TSchG verboten ein in menschlicher Obhut gehaltenes Tier einer wildlebenden Art auszusetzen, wenn es sich nicht selbstständig erhalten kann. Oft verenden die freigelassenen Pfleglinge, da sie zu früh, fehlgeprägt, ungenügend vorbereitet oder an einem falschen Platz frei gelassen werden. Gutgemeinte Hilfe ist nicht immer im Sinne des Tieres und stellt nicht selten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar.


 
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